Professionelle Finanzmodellierung lernen mit dem Advanced Financial Modeler (AFM) und Chartered Financial Modeler (CFM)
Warum eine Weiterbildung in Financial Modeling?
Finanzmodellierung ist eine Kernkompetenz, die in vielen Berufsfeldern gefragt ist. Ob im Investment Banking, in der Unternehmensberatung, im Corporate Finance oder als selbstständiger Berater. Wer professionelle Finanzmodelle bauen kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Aber was unterscheidet einen echten Financial Modeler von jemandem, der "gut in Excel" ist?
Die Antwort liegt im integrierten Ansatz.
Viele Finanzpläne, die ich in der Praxis sehe, sind keine echten Finanzmodelle. Sie sind isolierte Berechnungen. Eine GuV hier, ein DCF dort, vielleicht noch eine Liquiditätsplanung irgendwo. Aber nichts ist miteinander verknüpft. Ändert sich ein Parameter, muss man manuell durch dutzende Zellen klicken.
Ein echtes Finanzmodell ist anders. Es ist ein Three Statement Model: GuV, Cashflow und Bilanz sind dynamisch miteinander verknüpft. Ändert sich ein Umsatzwert, aktualisieren sich automatisch die Forderungen in der Bilanz und der operative Cashflow. Alles hängt zusammen. Genau wie in der Realität eines Unternehmens.
Diese Fähigkeit, ein vollständig integriertes Finanzmodell von Grund auf zu bauen, ist erlernbar. Und genau hier setzt das Financial Modeling Institute (FMI) an.
Das Financial Modeling Institute (FMI)
Das Financial Modeling Institute ist eine internationale Organisation, die sich auf die Zertifizierung von Financial Modeling Kompetenzen spezialisiert hat. Anders als viele Online-Kursanbieter ist FMI keine Lernplattform, sondern ein Prüfungsinstitut mit strengen Standards.
Was FMI besonders macht
FMI prüft nicht theoretisches Wissen, sondern praktische Fähigkeiten. In den Exams baut man tatsächlich Finanzmodelle in Excel. Unter Zeitdruck, ohne Hilfsmittel, von Grund auf. Das ist der entscheidende Unterschied zu Multiple Choice Prüfungen oder Video-Kursen mit Teilnahmezertifikat.
Strategische Partnerschaften
FMI hat Partnerschaften mit führenden Institutionen weltweit aufgebaut:
- CFA Institute
- PwC Academy
- ICAEW (Institute of Chartered Accountants in England and Wales)
- ACCA (Association of Chartered Certified Accountants)
Diese Partnerschaften zeigen: FMI Zertifizierungen werden von den wichtigsten Playern der Finanzwelt anerkannt. Wer einen AFM oder CFM hat, spricht die gleiche Sprache wie Wirtschaftsprüfer, Investmentbanker und Corporate Finance Professionals weltweit.
In Deutschland noch wenig bekannt
Ehrlich gesagt ist FMI in Deutschland noch nicht so verbreitet wie im angelsächsischen Raum. Das liegt daran, dass "Financial Modeling" als eigenständige Disziplin hier noch weniger etabliert ist. Aber das ändert sich. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert professioneller Finanzmodellierung und suchen nach Mitarbeitern oder Beratern mit nachweisbarer Expertise.
Das AFM Programm: Der Benchmark für Financial Modeling
Der Advanced Financial Modeler (AFM) ist die erste Zertifizierungsstufe des FMI und gleichzeitig der Benchmark für professionelle Finanzmodellierung. Wer den AFM besteht, hat bewiesen, dass er ein vollständig integriertes Three Statement Model bauen kann.
Aufbau und Struktur des AFM
Das Exam Format:
Das AFM ist ein Closed Book Exam. Das bedeutet: Keine Unterlagen, keine Formelsammlungen, keine Hilfe von außen. Man bekommt eine Case Study mit historischen Unternehmensdaten und hat dann 4 Stunden Zeit, ein komplettes Finanzmodell in Excel zu bauen.
Was gebaut werden muss:
- Gewinn und Verlustrechnung (P&L)
- Cashflow Statement
- Bilanz (Balance Sheet)
- Szenario Analyse
- Summary Tab mit KPIs
Alle Statements müssen dynamisch miteinander verknüpft sein. Die Bilanz muss aufgehen. Änderungen in den Annahmen müssen sich durch das gesamte Modell ziehen.
Die Themengebiete
| Bereich | Inhalte |
|---|---|
| Revenue & CoGS | Umsatzprognose, Herstellungskosten, Margenentwicklung |
| Opex | Betriebskosten, Personalplanung, Fixkosten vs. variable Kosten |
| Working Capital | Inventory (FIFO), Accounts Receivable, Accounts Payable |
| Debt | Kredite, Revolver Strukturen, Zinsberechnungen |
| Equity | Eigenkapitalveränderungen, Kapitalerhöhungen |
| Tax | Steuerberechnungen, Verlustvorträge |
Formatierung zählt
Ein oft unterschätzter Aspekt: FMI legt großen Wert auf Formatierung und Layout. Ein Finanzmodell ist nicht nur technisch korrekt, es muss auch lesbar und nachvollziehbar sein. Farbcodes für Inputs und Outputs, klare Strukturierung, konsistente Formatierung. All das fließt in die Bewertung ein.
Das spiegelt die Realität wider. Ein Modell, das nur der Ersteller versteht, ist in der Praxis wertlos. Professionelle Modelle müssen von Dritten geprüft, angepasst und weiterentwickelt werden können.
Vorbereitung auf das AFM
Zeitaufwand:
Die Vorbereitung auf das AFM erfordert etwa 100 Stunden. Das kann je nach Vorkenntnissen variieren. Wer bereits Erfahrung mit Finanzmodellen hat, braucht vielleicht weniger. Wer bei Null anfängt, sollte mehr einplanen.
Voraussetzungen:
FMI setzt gewisse Grundkenntnisse voraus:
- Buchhaltung und IFRS: Man muss verstehen, wie GuV, Cashflow und Bilanz zusammenhängen
- Excel: Solide Kenntnisse in Formeln, Verknüpfungen, benannten Bereichen
- Finance Grundlagen: Grundverständnis von Unternehmensfinanzierung
Lernformat:
FMI ist primär Self Study. Es gibt zwar offizielle Materialien und einige Training Provider, aber im Kern bereitet man sich selbstständig vor. Das erfordert Disziplin, bietet aber auch Flexibilität.
Die Bestehensquote:
Es gibt keine offiziellen Statistiken, aber die Pass Rate liegt schätzungsweise bei 40 bis 50 Prozent. Das zeigt: Der AFM ist kein Geschenk. Man muss wirklich können, was geprüft wird. Genau das macht die Zertifizierung wertvoll.
Der CFM: Die Königsklasse der Finanzmodellierung
Nach dem AFM kommt der Chartered Financial Modeler (CFM). Die höchste Zertifizierungsstufe des FMI und aktuell die anspruchsvollste Prüfung in der Finanzmodellierung weltweit.
Was den CFM vom AFM unterscheidet
Anderes Exam Format:
Während beim AFM ein komplettes Modell von Grund auf gebaut wird, ist das CFM Format anders. Man bekommt eine Problemstellung und hat etwa 2 Stunden Zeit, eine Lösung zu erarbeiten. Das Exam besteht aus 2 Cases, die zufällig aus 12 Themenbereichen ausgewählt werden.
Die Themenbereiche umfassen unter anderem:
- Komplexe Finanzierungsstrukturen
- M&A Modellierung
- LBO (Leveraged Buyout)
- Project Finance
- Real Estate
- Sensitivitätsanalysen
- Szenario Management
- Und weitere spezialisierte Bereiche
Der Schwierigkeitsgrad:
Der CFM ist deutlich schwerer als der AFM. Man weiß vorher nicht, welche Themen drankommen. Man muss in allen 12 Bereichen fit sein. Und man muss unter extremem Zeitdruck komplexe Probleme lösen.
Warum der CFM wertvoll ist:
Der CFM zeigt, dass jemand nicht nur die Grundlagen beherrscht, sondern auch komplexe, unvorhergesehene Modellierungsaufgaben lösen kann. Das ist genau das, was in der Praxis gefragt ist. Ein Investor kommt mit einer ungewöhnlichen Deal Struktur, ein Startup hat ein hybrides Geschäftsmodell, eine Projektfinanzierung hat Sonderklauseln. Der CFM beweist, dass man solche Situationen meistern kann.
Tipps und Empfehlungen für die Vorbereitung
Aus meiner eigenen Erfahrung mit beiden Prüfungen hier einige konkrete Empfehlungen:
1. Verstehe die Buchhaltung wirklich
Das klingt banal, ist aber entscheidend. Wenn du nicht verstehst, warum eine Abschreibung den Cashflow erhöht (obwohl sie die GuV belastet), wirst du kein funktionierendes Three Statement Model bauen können. Investiere Zeit in die Grundlagen.
2. Übe unter Zeitdruck
4 Stunden klingen nach viel Zeit. Sind sie nicht. Übe komplette Modelle unter realistischen Bedingungen. Stell dir einen Timer. Keine Pausen. Keine Google Suche. Das ist die einzige Vorbereitung, die wirklich zählt.
3. Entwickle deine eigene Struktur
Im Exam hast du keine Zeit, über die Modellstruktur nachzudenken. Du brauchst ein System, das du im Schlaf anwenden kannst. Welche Sheets legst du an? In welcher Reihenfolge baust du die Statements? Wie verlinkst du sie? Entwickle deine Routine und halte dich daran.
4. Formatierung von Anfang an
Viele machen den Fehler, erst das Modell zu bauen und dann zu formatieren. Das funktioniert nicht. Formatiere von Anfang an sauber. Das spart Zeit und verhindert Fehler.
5. Prüfe die Bilanz
Die Bilanz muss aufgehen. Aktiva gleich Passiva. Wenn sie nicht aufgeht, ist irgendwo ein Fehler. Baue Kontrollmechanismen ein, die dir sofort zeigen, wenn etwas nicht stimmt.
6. Lerne aus Fehlern
Wenn du beim Üben Fehler machst, analysiere sie. Warum ist die Bilanz nicht aufgegangen? Wo hast du Zeit verloren? Was hättest du anders machen können? Jeder Fehler in der Vorbereitung ist ein Fehler, den du im Exam nicht mehr machst.
Deutsche Study Group für FMI
Financial Modeling lernt man nicht alleine. Der Austausch mit anderen, die auf dem gleichen Weg sind, ist unglaublich wertvoll. Man kann Fragen diskutieren, Übungsmodelle vergleichen, sich gegenseitig motivieren.
Mein Angebot
Ich möchte die FMI Community in Deutschland stärken. Deshalb biete ich an:
- Study Group auf Deutsch: Regelmäßiger Austausch für alle, die sich auf AFM oder CFM vorbereiten
- Fragen beantworten: Wer Fragen zum Programm, zur Vorbereitung oder zum Exam hat, kann sich gerne bei mir melden
- Erfahrungsaustausch: Ich teile gerne meine Learnings aus beiden Prüfungen
Warum mache ich das?
Ich bin überzeugt, dass professionelle Finanzmodellierung in Deutschland mehr Aufmerksamkeit verdient. Je mehr Menschen verstehen, was ein echtes Finanzmodell ausmacht, desto besser werden die Entscheidungsgrundlagen in deutschen Unternehmen. Und je mehr zertifizierte Financial Modeler es gibt, desto mehr wird die Disziplin als eigenständige Profession anerkannt.
Wenn du Interesse an der Study Group hast oder Fragen zum FMI hast, kontaktiere mich gerne.
Fazit: Lohnt sich eine Financial Modeling Weiterbildung?
Ja. Definitiv.
Aber nicht irgendeine Weiterbildung. Es gibt viele Online Kurse, die "Financial Modeling" im Titel tragen. Die meisten davon kratzen nur an der Oberfläche. Sie zeigen, wie man eine DCF Berechnung macht oder eine einfache GuV Prognose erstellt. Das ist nützlich, aber es ist kein Financial Modeling.
Echtes Financial Modeling bedeutet:
- Ein vollständig integriertes Three Statement Model bauen können
- Die dynamischen Verknüpfungen zwischen GuV, Cashflow und Bilanz verstehen
- Unter Zeitdruck professionelle Ergebnisse liefern
- Modelle bauen, die von Dritten verstanden und weiterentwickelt werden können
Das FMI Programm, insbesondere der AFM, ist der beste Weg, diese Fähigkeiten nachweisbar zu erwerben. Die Prüfung ist anspruchsvoll, die Vorbereitung intensiv, aber das Ergebnis ist es wert: Eine Zertifizierung, die weltweit anerkannt ist und echte Kompetenz beweist.
Für alle, die noch einen Schritt weitergehen wollen, ist der CFM die logische Fortsetzung. Er zeigt, dass man nicht nur die Grundlagen beherrscht, sondern auch komplexe Herausforderungen meistern kann.
Mein Rat: Wenn du im Bereich Finance, Controlling, Beratung oder Investment arbeitest oder arbeiten willst, ist eine Financial Modeling Weiterbildung eine der besten Investitionen in deine Karriere. Und wenn du es richtig machen willst, führt kein Weg am FMI vorbei.
Du hast Fragen zum FMI Programm oder möchtest Teil der deutschen Study Group werden? Melde dich bei mir. Ich helfe gerne.